Room 28 Education
Room 28 Education  

Room 28 Bildungsprojekt

Anmerkungen

Auszug aus dem aktuellen Kompendium

 

Hannelore Brenner

Theresienstadt. The Girls of Room 28. Kompendium 2020. Room 28 Bildungsprojekt.

Terezín. Děvčata z pokoje 28. Kompendium 2020. Vzdělávací projekt Room 28

1. Gesamtkonzept

Mit dem Ziel, ein Handbuch für Lehrende zur Geschichte der „Mädchen von Zimmer 28“ zu erstellen, begann das, was nun als Kompendium 2020 zum Room 28 Bildungsprojekt in tschechischer Sprache vorliegt. Es ist der dritte Band dieser Reihe und begann mit dem Kompendium 2016 (deutsch) gefolgt vom Compendium 2017 (englisch)

 

Hinter dem Vorhaben steht ein Gesamtkonzept – eine aus verschiedenen Elementen bestehende Unterrichts-Einheit, deren einzelne Elemente mit den entstehenden Lehrmaterialien in Wechselwirkung zueinander stehen.  Die drei grundlegenden Elemente sind:

  • das Buch Die Mädchen von Zimmer 28
  • die Ausstellung Die Mädchen von Zimmer 28, L 410 Theresienstadt.
  • das Theresienstädter Tagebuch von Helga Pollak-Kinsky

2. Zur Methodik der Lehrmaterialien

Die Kompendien zum Bildungsprojekt dienen der Präsentation der Room 28 Projects und sind eine Einführung in das Bildungsprojekt. Sie vermitteln das Gesamtkonzept und enthalten exemplarisch eine Auswahl von Lehrmaterialien. Zu betonen ist, dass die Arbeitsblätter und die Arbeitsvorschläge ein Anfang sind. Meine Kompetenz als Autorin hört dort auf, wo die Kompetenz der Lehrer*innen und Pädagog*innen anfängt – in der praktischen pädagogischen Arbeit.

 

Die Arbeitsblätter und die darin enthaltenen Fragestellungen sind daher als Angebote zu verstehen; ebenso als Anregung dazu, weitere Arbeitsblätter zu speziellen Themen zu entwickeln, wie sie einzelnen Pädagogen für den individuellen Unterricht oder für den Besuch der Ausstellung sinnvoll erscheinen. Ein deutsches Team unter der Leitung von Alexander Wolf ist bereits dabei, solche auf den praktischen Unterricht zugeschnittenen Module zu entwickeln. Diese Arbeiten werden in Zukunft in das Projekt einfließen. Angestrebt ist eine wachsende Sammlung von Materialien und Handreichungen zu unterschiedlichen Themenbereichen. Über die Workshops unseres noch kleinen Teams, erfahren Sie hier.  

 

Das eigentliche Ziel ist aus dem Gesamtkonzept nicht wegzudenken: die Errichtung einer Dauerausstellung – wo immer dies möglich sein wird. Denn die Ausstellung ist der Kristallisationspunkt unseres Bildungsprojektes und lebt vom Zusammenspiel der dazugehörigen Elemente, den vorhandenen ebenso wie der noch zu schaffenden.

www.room28education.net/vision/

www.room28.net/

 

Zum download gibt es die Seiten 115-116 des englischen Compendium 2017 über unseren von Thomas Rietschel geleiteten Zukunftsworkshop.

4. Vom Erinnerungsprojekt zum Bildungsprojekt

Es waren vor allem Pädagog*nnen, die die Chancen des Projektes für die Erinnerungsarbeit erkannten. Als die Theaterpädagogin Lisbeth Wutte 2005 in Überlingen ein schulübergreifendes Brundibár-Projekt initiierte, holte sie nicht allein die Ausstellung Die Mädchen von Zimmer 28 in die Stadt, sie lud auch acht der Überlebenden aus diesem Kreis für eine Woche an den Bodensee ein. Sie habe das Gefühl gehabt, begründete sie ihre Entscheidung, dass es dringend nötig sei, „die Frauen in einen lebendigen Strom einzubetten. Unsere Generation hat ja alles verdrängt und vergessen. Hier war eine einmalige Chance, zwischen den Generationen zu vermitteln.“ Liesbeth Wutte in ihrem Beitrag zum Kompendium: Resilienz. Wozu uns Widerstände herausfordern.

 

Aber was vermittelt sich hier außer einer Geschichte, die, wie Die Zeit nach Erscheinen des Buches 2004 schrieb, „an eine Grenze des Erträglichen führt, dorthin wo Mitleid, Furcht, Beschämung auf uns lauern und der Reiz, sich abzuwenden“? (Susanne Mayer in Die Zeit, 16.9.2004, Nr. 39) Außer unendliches Leid, ungeheure Verbrechen und Einblicke in die Abgründe menschlicher Möglichkeiten? Eben auch dies: eine positive Kraft, ein Signal. Die Aufforderung, die existentielle Bedeutung kultureller Leistungen und Ideale wie Menschlichkeit, Solidarität, Freundschaft, Kunst und geistiger Widerstand zu reflektieren und mit Leben zu füllen.

 

Rainer Müller, langjähriges Mitglied von Room 28 e.V., kommt mir in den Sinn. Er brachte 2005 die Ausstellung nach Leutershausen/Hirschberg und lud einige der Zeitzeuginnen dazu ein. Damals schrieb er: "Wenn an Unrecht in Zusammenhang mit der Geschichte erinnert wird, dann hilft das auch im Alltag zu erklären, wo Unrecht beginnt, wo es bereits geschieht und wohin es führen kann. Dieses Erinnern schärft das Bewusstsein für eine Geschichte, die uns Deutsche immer wieder einholt; die sich aber niemals wiederholen darf."

 

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Die Geschichte dieser Mädchen wirft ein Licht auf ein Kapitel der Zeitgeschichte, das im Schatten deutscher Geschichtsschreibung und Lehrpläne steht: das Schicksal jüdischer Kinder in unseren Nachbarländern Österreich und Tschechien unter dem NS-Regime und die Ereignisse im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren zwischen 1939-1945. Gleichwohl, wenn auch unter anderen, nämlich kommunistischen Vorzeichen, wurde das Schicksal der Juden allgemein in der Tschechoslowakei über Jahrzehnte ausgeblendet.

4. Zum pädagogischen Wert

Die ersten beiden Kompendien enthalten drei wichtige Beiträge zum pädagogischen Wert.

 

Prof. Dr. Peter Gstettner: Mehr als nur Erinnerungen an eine dunkle Zeit

 

Dr. Bertram Noback: Die Mädchen von Zimmer 28 - eine Erinnerungspädagogik im 21. Jahrhundert

 

Prof. Dr. Detlef Pech: Die Humanisierung des Menschen braucht ein Gegenüber

 

Sie finden diese Beiträge in deutscher und englischer Sprache auf unserer Website:

 

www.room28education.net/dokumente

www.room28education.net/documents

 

5. Zum pädagogischen Einsatz

Die Beschäftigung mit den Lebensverhältnissen und dem Schicksal der "Mädchen von Zimmer 28" des Ghettos Theresienstadt ist für den Geschichtsunterricht über den Nationalsozialismus und den Holocaust in besonderer Weise geeignet; ebenso für die Fächer Ethik, Politische Bildung, Religion und Kunst, für fächerübergreifende Projektarbeit und außerschulische, kreativ-künstlerische Projekte.

In seiner Analyse des Room 28 Bildungsprojekts kommt Dr. Bertram Noback zu dem Ergebnis, dass das Room 28 Bildungsprojekt den sechs von ihm herausgearbeiteten didaktisch-methodischen Konzepten im Umgang mit dem Unterrichtsthema „Nationalsozialismus“ entspricht:

 

1  Vermittlung eines historischen Überblickwissens

2  Konkretisierung und Personalisierung der Geschichte 

3  Geschichtsreflexion

4  Politische und moralische Bildung

5  Erinnern

6  Philosophische Reflexion

 

Da es sich bei unserem Projekt um ein Projekt sui generis handelt und mehr ist als Lehrstoff für den Geschichtsunterricht, ergänzen wir diese Kategorien um zwei weitere:

 

7  Kunst, Kultur, Kreativität

8  Entwicklung eines Lebens- und Zukunftsprojektes gemäß den Worten von Prof. Peter Gstettner:

 

Wenn wir unsere Geschichte nicht länger als unbekannte, fremde, verdunkelte Vergangenheit betrachten, können wir entdecken, wie wir als historisch gewordene Subjekte durch unser eigenes Handeln in die gegenwärtige Welt verstrickt sind, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen und wie wir – trotz „dunkler Vergangenheit“ – eine positive Zukunft erfinden können. Erinnerung, Bewusstmachung und Aufarbeitung jener Ereignisse, die unsere Eltern und Großeltern nicht wahrhaben wollten, sind Voraussetzungen dafür, dass wir die Zukunft bewusst planen und bewältigen können. In diesem Sinne graben wir bei der Erinnerungsarbeit nicht „alte Geschichten“ aus, wir reißen auch zwischen Generationen keine Gräben auf, sondern wir arbeiten an unserem eigenen Lebens-  und Zukunftsprojekt.

 

Peter Gstettner, Erinnern an das Vergessen. Kitab Verlag Klagenfurt. Wien 2012, S.211

Aufführung in Freiburg, Theodor Heuss-Gymnasium

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